Oft stellt eine Therapie eine grosse Herausforderung für Menschen mit Angst- und Panikstörungen dar. Doch Forscher konnten nun in einer wegweisenden Studie bestätigen, was viele Psychologen längst vermuteten. Eine Therapie wirkt sich auf das Gehirn der Betroffenen aus und kann die Lebensqualität deutlich steigern.

Gefangen im Strudel der Angst

Eine Panikstörung entwickelt sich oft schleichend aus einem eigentlich nur wenig angstauslösendem Erlebnis. Doch der Verlauf einer Panikstörung beeinträchtigt das Alltagsleben und die Lebensqualität Betroffener sehr. Sie leiden teils unter schweren körperlichen Symptomen ohne organische Ursache. Herzrasen, Schwindel, und Schweissausbrüche können sich steigern bis zur Todesangst. Die Betroffenen vermeiden die angstauslösenden Situationen, lassen sich häufig von ihrem Partner begleiten, verlieren oft ihre sozialen Kontakte und sogar ihren Arbeitsplatz. Die Ängste gewinnen wie in einem Strudel an Kraft und verselbstständigen sich zunehmend.

Gehirnprozesse lassen sich verändern

Zwei bis acht Prozent aller Menschen leiden im Laufe ihres Lebens unter einer Panikstörung. Die Forschung ist auf diesem Gebiet schon weit und eine Angststörung ist oft wirksam mit Hilfe der Verhaltenstherapie behandelbar. In der Verhaltenstherapie müssen sich die Betroffenen ihren Ängsten stellen und – gemeinsam mit dem Therapeuten- lernen, sie zu überwinden. Dahinter steckt der Gedanke die Prozesse im Gehirn mit entsprechendem Training und positiven Lernerfahrungen langfristig zu verändern. Forscher verschiedener Universitäten untersuchten in der bisher weltweit grössten Studie die Auswirkungen und Folgen von Verhaltens- und Psychotherapie auf das Gehirn. Die Studie bestätigte, dass sich die Therapie auch auf das Gehirn auswirkt. Denn oftmals handelt es sich um eine erlernte Angst, die mit entsprechendem Training verarbeitet und überwunden werden kann. Die Forscher baten die von einer Panikstörung betroffenen Studienteilnehmer ihr Gehirn in einer speziellen Röhre, dem funktionellen Magnetresonanztomographen, MRT genannt, untersuchen zu lassen. In den einzelnen Gehirnscans vor der Therapie erkannten die Forscher in der walnussförmigen Struktur des Gehirns eine deutliche Aktivität in einer der vorderen Hirnregionen, dem linken gyrus frontalis inferior. Interessanterweise ist diese Hirnregion primär wenig zuständig für die Angstverarbeitung, sondern vielmehr hat sie mit der Gefühlsregulierung, der Sprachverarbeitung, der Entscheidungsfindung und der Aufmerksamkeit zu tun.

Mit Verhaltenstherapie zurück zur Lebensfreude

Nach einer erfolgreichen Verhaltenstherapie fühlten sich die Studienteilnehmer sehr befreit, und berichteten über ihre wiedererlangte Lebensfreude. Allerdings kann sich das Gehirn unter Umständen auch wieder zurück verändern und die längst überwundene Angststörung wieder aktivieren. Auch nach der Therapie müssen sich die Betroffenen hin und wieder den ehemals angstauslösenden Situationen stellen. Die zweite Hirnuntersuchung in der Röhre fand nach der Therapie statt. Diese zeigte, dass sich die vormals zu aktive Gehirnregion wieder normalisiert hatte. Damit gelang es den Forschern nun erstmals, die Wirksamkeit von Psycho- und Verhaltenstherapie nachweisen. Oft stellt diese Therapieform eine grosse Herausforderung für die Betroffenen dar, doch mit bewusstem Training und positiven Lernerfahrungen ist es möglich, die Gehirnprozesse zu verändern und die Lebensqualität deutlich zu steigern.

Bilquelle: Ulrich C. Leopold  / pixelio.de